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Von der Verstehbarkeit, Bedeutsamkeit und Bezahlbarkeit guter Kunstwerke

 

Victoria Rosenmann

Ankunft‹ von Oliver Estavillo, 2011

 

3. Muss ich ein gutes Kunstwerk verstehen?

Dies ist durchaus von Vorteil, aber auch ein irritierender, Unverständnis erregender Erstkontakt mit einem Kunstwerk kann ein günstiger Einstieg sein. Das Verständnis für den Aussaggehalt eines Kunstwerkes kann sich auch erst im Verlauf einer näheren Beschäftigung mit dem Werk und seinem Schöpfer einstellen. Ein gutes Kunstwerk ist in der Lage, einen Dialog zwischen sich und dem Betrachter zu initiieren, da es ihn herausfordert, zu seinem Interpreten zu werden. Die Frage »Was will mir dieses Kunstwerk eigentlich sagen?« ist damit immer der Beginn einer näheren Auseinandersetzung mit dem Objekt und seinem Wesensgehalt – sofern man willens ist, sich als Betrachter darauf einzulassen. Kurz: Ein gutes Kunstwerk fordert geradezu dazu auf, es verstehen zu wollen, auch wenn dies nicht immer auf Anhieb gelingt. Zudem wird es mit wachsender Kennerschaft immer einfacher und selbstverständlicher, interpretatorische Bezüge herzustellen. Diese Fähigkeit wächst mit zunehmender Seherfahrung und wird durch regelmäßige Kunstrezeption geschult.

 

4. Muss ein gutes Kunstwerk notwendigerweise teuer sein?

Nein, selbstverständlich nicht – vor allem dann nicht, wenn man es relativ früh erwirbt, also eben in eben jener Phase, in der ein Künstler noch sehr jung ist und die Integration in den Kunst- und Ausstellungsbetrieb gerade erst begonnen hat. Zu diesem Zeitpunkt werden in der Regel noch recht geringe Preise aufgerufen, die im Verlauf der Jahre jedoch steigen werden, wenn sich die Karriere des Künstlers vorteilhaft entwickelt. Ein hoher Preis sagt deshalb aber noch nicht notwendigerweise etwas über die Qualität und die kunsthistorische Relevanz eines Kunstwerkes aus. Der Preis ist aber – im Hinblick auf das Alter des Künstlers – durchaus ein Gradmesser für die erfolgreich erfolgte Integration in den Kunstbetrieb. Denn der Reputationsgewinn, den ein erfolgreicher Gegenwartskünstler im Verlauf seiner Karriere erworben hat, spiegelt sich selbstverständlich auch in den Preisen seiner Werke wider. Welche Faktoren es sind, die eine Preis- und Wertsteigerung positiv beeinflussen, ist kein Geheimnis. Anhand des seit 1970 geführten Rankingsystems Kunstkompass zum Beispiel, welches jährlich vom manager magazin veröffentlicht wird, lässt sich dies gut darlegen. Relevante Eckpunkte der Künstlerbewertung sind in diesem Bewertungsindex die Teilnahme an den wichtigsten internationalen (Museums)-Ausstellungen und Biennalen, die Zahl der Rezensionen in namhaften Kunstmagazinen sowie die Ankäufe durch bedeutende Museen. Je wichtiger ein Ausstellungsort (z.b. die documenta oder die Biennale in Venedig) oder ein ankaufendes Museum ist, umso höher ist auch die Punktzahl, die einem Künstler für den Kunstkompass dafür zuerkannt werden. Im Verlauf der Jahre steigt damit nicht nur die Punktzahl eines Künstlers, sondern in Abhängigkeit dazu natürlich auch sein Platz auf der Rangliste dieses Indexes. Junge, vom Markt noch unbestätigte Kunst möglichst früh und günstig zu erwerben, kann sich also auszahlen. Wer früh kauft, hat das Glück, einen Künstler noch zu niedrigen Preisen erworben zu haben. An allen etwaigen Wertzuwächsen kann man sich unter diesen Umständen umso mehr erfreuen und dies als Bestätigung eines sicheren Werturteils betrachten.

 


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