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Mag. Klaudija Sabo zur Künstlerin Irma Markulin

 

Zur Autorin: geb. 1979 in Hamburg; Studium der Kulturwissenschaften und Kunstgeschichte an der Humboldt‐Universität zu Berlin und der Goldsmiths University London; 2007 Mag. phil., seit 2009 Doktoratsstudium der Philosophie im Fachbereich Geschichte zum Thema: ›Ikonen der Nationen. Mythische Heldenfiguren in Kroatien und Serbien nach Tito‹, seit 2009 Lektorin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, 2015 Stipendiatin des SFB 948: ›Helden-Heroisierungen-Heroismen‹

 

Die Rückkehr der sozialistischen Partisaninnen in Irma Markulins Bilderserie ›8 von 91‹

Ljubica Gerovac

Stolze 91 Frauenfiguren wurden im ehemaligen Jugoslawien in den Heldinnen-Olymp erhoben. Wohl kaum ein anderes Land hat eine solch große Anzahl an weiblichen Heldinnenfiguren zu bieten. Mit dem Tode Titos, dem Ausbruch des Krieges und der zunehmenden Nationalisierung sind diese jedoch schnell in Vergessenheit geraten – oder besser gesagt, in die Vergessenheit gedrängt worden. Doch nun kehrt diese Garde der gestrigen Heldinnen wieder zurück und wird von den ehemaligen Teilrepubliken Jugoslawiens zu den ›nationalen Heldinnen‹ von morgen erklärt. Dabei werden die außergewöhnlichen Persönlichkeiten vor allem für die Idee der Nation der ehemaligen Teilrepubliken nutzbar gemacht.

Irma Markulin greift sich ›8 von 91‹ Heldinnen heraus und übersetzt deren in Archiven aufgespürte fotografische Porträts in überdimensionale Öl-Gemälde. Sie macht dabei keine nationalen oder ethnischen Unterschiede. Im Gegenteil, sie stellt die Heldinnen einander gegenüber und lässt sie über die gemeinsam geteilte Erfahrung wirken. Markulins Bilder sind jedoch nicht einfach nur Abbildungen jener heroischen Frauenfiguren. Die Künstlerin setzt sich in ihrer Porträtserie mit der gegenwärtigen Gedenkpolitik auseinander und macht auf den Akt des Vergessens – von jenen im Sozialismus geschaffenen ikonenhaften Glaubensinhalten – aufmerksam.

Die Porträts auf den großformatigen Bildern wirken wie zerknitterte fotografische Abbildungen. Markulin deutet damit den Akt des Wegwerfens und damit letztlich auch den des Vergessens an. So als ob man sich des Porträts eines geliebten Menschen, nach einer schmerzhaften Liebesbeziehung, entledigen möchte – indem man es zerknüllt, unkenntlich macht, wegwirft und schließlich vergisst. Doch neben dem Akt des Zerknüllens lässt sich gleichzeitig auch eine nachträgliche Glättung, ein Wiederauffächern und Wiederentdecken des Geliebten aus den Bildern herauslesen. [...]

 

Stay tuned! Die Fortsetzung (Teil 2) des Artikels folgt in Kürze.

 


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