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Mag. Klaudija Sabo zur Künstlerin Irma Markulin

 

Die Rückkehr der sozialistischen Partisaninnen in Irma Markulins Bilderserie ›8 von 91‹

Sofija Sonja Marinkovic

[...] Durch diese Art der Darstellung macht Irma Markulin zwei zeitliche Dimensionen sichtbar. Mit der Bilderserie wird nicht nur das Vergessen, sondern auch das Erinnern thematisiert. Die Künstlerin weist damit auf einen größeren gesellschaftspolitischen Prozess hin, der sich in den jungen Staaten des ehemaligen Jugoslawiens abzeichnet: auf die erneute Aufmerksamkeit, die den Frauen aus den unterschiedlichen ehemaligen Teilstaaten zukommt. Eine der bekanntesten kroatischen Gegenwartskünstlerinnen, Sanja Iveković (* 1949 in Zagreb), hat sich bereits kurz nach Ende des Krieges in ihrer Arbeit ›Gen XX‹ (1997) den Heldinnen gewidmet. Diese zeigt eine Porträtserie von Supermodels der Neunziger Jahre, die von Iveković mit den Namen jugoslawischer Nationalheldinnen betitelt wurde. Eine Aktion, die sich gegen das Vergessen ausspricht. Irma Markulin geht es jedoch mehr um die Tatsache des Erinnerns als um die des Vergessens – und vor allem geht es ihr darum, wie Erinnerung an den antifaschistischen Kampf im heutigen Kroatien betrieben wird.

Im ehemaligen Jugoslawien wurde den Partisanen und Partisaninnen vornehmlich anhand von Denkmälern gedacht. Einige dieser monumentalen und nach wie vor avantgardistisch anmutenden Monumente wurden von namhaften Künstlern geschaffen. So auch die kolossale, aus Stein gemeißelte Erinnerungsskulptur ›Sutjeska‹ des Bildhauers Miodrag Živković aus dem Jahr 1971, welche in der Nähe des Dorfes Tjentište (Bosnien) steht. Die Skulptur wirkt wie ein mit großer Energie in zwei Hälften gespaltener Steinblock, dessen beide Blöcke sich nun gegenüberstehen. Die an den Innenseiten herausklaffenden kubischen Formationen erinnern an die kubischen Formen in Markulins Bildern. Mit der Verwendung von verschiedensten Grau- und Brauntönen sowie der Simulation von Licht und Schatten potenziert die Künstlerin in den von ihr gemalten Frauengesichtern zusätzlich den Eindruck von aus Stein gemeißelten Porträts. Der grob angelegte Pinselstrich weist zudem noch auf der Oberfläche eine stark plastische Struktur auf, wie als wäre sie mit dem Meißel ausgearbeitet. Aus nächster Nähe betrachtet scheint dieser Pinselstrich sogar mehr der kubischen Form – wenn man so will der Steinformation – und nicht einer eindeutigen Gesichtsstruktur zu folgen. So verschmilzt Markulin die ursprüngliche fotografische Vorlage mit der jugoslawischen Denkmalkultur und die Ölgemälde werden so zu einer ›zum Gedächtnis an eine Person oder ein Ereignis errichtete[n], größere[n] plastische[n] Darstellung‹.

Die Bilder von Irma Markulin besitzen einen Gedenk- beziehungsweise Denkmalcharakter, wobei nicht auf den Ästhetiken des Sozialismus stehen geblieben, sondern sich vielmehr an ihnen angelehnt und mit ihnen gespielt wird. In dieser Art von Gedenkkultur schwingt aber auch stets die Idee der kultischen Verehrung mit. Womit die Bilder auch schlichtweg als eine Art Hommage oder als Ehrerbietung verstanden werden können, in denen die Porträts der Partisaninnen, auch heute noch, symbolisch für den Sieg der Gefühle und den Zusammenhalt gegenüber der Repression und der Waffengewalt stehen.

 


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